-
Oasen ohne Konsumzwang: Warum die moderne Leihbibliothek unser wichtigster sozialer Raum ist
Das letzte Refugium der Stadtgesellschaft Städtischer Raum wird zunehmend nach seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit beurteilt. Wo früher Bänke, Lesesäle, Innenhöfe oder offene Vereinsräume selbstverständlich zum Alltag gehörten, stehen heute Cafés, Einkaufsflächen und gastronomische Angebote. Wer bleiben möchte, ohne etwas zu kaufen, muss sich häufig rechtfertigen. In dieser Landschaft gewinnt die öffentliche Bibliothek eine Bedeutung, die weit über das Ausleihen von Büchern hinausreicht. Sie ist einer der wenigen Orte, an denen Aufenthalt nicht an Konsum, Einkommen oder Status gebunden ist. Der Wandel ist kultursoziologisch bemerkenswert. Die Bibliothek war lange das stille Bücherdepot, eine Institution der Ordnung, der Konzentration und der individuellen Lektüre. Heute wird sie vielerorts zum offenen Haus: mit Arbeitsplätzen, Veranstaltungsräumen,…


